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MFA in der Onkologie

Diese Fortbildung ist sicherlich nicht für jede MFA geeignet. Falls du dich aber dafür entscheiden solltest, bin ich mir sicher, dass sie dich und dein berufliches Leben als Medizinische Fachangestellte nachhaltig verändern wird.

Als Medizinische Fachangestellte sind wir täglich mit kranken Menschen in Kontakt. Manche davon sind todkrank. Bei manchen erfährst du dann durch den Anruf eines Angehörigen oder aus einem Krankenhausbericht, dass er oder sie verstorben ist. Getroffen ist man immer etwas, schließlich kanntest du den Patienten – vielleicht sogar schon über Jahre.

Als MFA in der Onkologie wird der Tod dein Begleiter im Arbeitsalltag sein. Du wirst viel intensiver mit diesem Thema und dem Leiden der Patienten konfrontiert als in jeder anderen Fachrichtung. Du wirst Patienten mit onkologischen Erkrankungen pflegen und eine Verbindung zu ihnen aufbauen. Begleitest sie durch ihren Kampf und bist in dieser Zeit näher als manche Familienangehörige. Stirbt ein liebgewonnener Patient, wird es für dich nicht leicht werden.

Aus meiner Sicht ist diese Fortbildung deshalb eher für Medizinische Fachangestellte mit entsprechender mentaler Stärke geeignet. Während der Fortbildung werden dir Strategien vermittelt, damit du dich von Belastungssituationen distanzieren und Trauer und psychischen Stress besser bewältigen kannst. So schwer die Arbeit einer onkologischen Assistentin manchmal ist, du wirst viele wundervolle Situationen mit deinen Patienten erleben. Dass, was dir deine Patienten zurück geben werden, ist reine Dankbarkeit und Anerkennung. Mit der richtigen Balance wirst du einen sehr erfüllenden Job ausüben.

Auf einen Blick

VoraussetzungenMedizinische Fachangestellte oder ArzthelferIn oder eine vergleichbare Berufsausbildung
und
mindestens 3 Jahre Tätigkeit in einer onkologischen Schwerpunkteinrichtung, wünschenswert mindestens 1 Jahr Tätigkeit in einer ambulanten Einrichtung (Arztpraxis, Hochschulambulanz oder Tagesklinik)
Dauer120 Stunden
Kostenca. 1.000 Euro (je nach Anbieter)
ArbeitsorteOnkologische Schwerpunktpraxen, Ambulanzen und tagesstationäre Einrichtungen. Auch die Arbeit in Hospitzen oder Palliativeinrichtungen ist möglich
Berufliche ChancenGehaltsstufe IV des Tarifvertrags für MFA 

Die Aufgaben einer MFA in der Onkologie

Als MFA in der Onkologie erhältst du einen größeren Verantwortungsbereich und entlastest den Arzt. Die Versorgung von Patienten mit onkologischen Erkrankungen steht dabei im Mittelpunkt. Nach ärztlicher Anweisung bist du zuständig für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung onkologischer und palliativmedizinischer Maßnahmen, insbesondere der intravasalen zytostatischen Immun-/ Chemotherapie. Du versorgst die Patienten hinsichtlich Symptom- und Schmerzkontrolle, Ernährung, und Stoffwechselkontrolle. Du führst die psychosoziale Betreuung deiner Patienten und der Angehörigen. Auch Hausbesuche können in deinen Aufgabenbereich fallen.

Arbeitsorte

Onkologische Schwerpunktpraxen, ebenso in Ambulanzen und tagesstationäre Einrichtungen. Auch die Arbeit in Hospitzen oder Palliativeinrichtungen ist denkbar.

Berufliche Chancen

Mit der Fortbildung verbesserst du nicht nur deine Gehaltsstufe, indem du in Tätigkeitsgruppe IV des Tarifvertrags für MFA rutschst. Durch den allgemeinen Pflegenotstand in Deutschland fehlt es vor allem auf den Stationen der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen an qualifiziertem Personal. Für dich als MFA erweitert sich dein Einsatzort und du bist nicht nur auf den ambulanten Bereich beschränkt. Du wirst also eine gefragte und vor allem professionelle Fachkraft sein.

Fortbildungsablauf

Der Umfang des Curriculums beträgt 120 Stunden und beinhaltet einen berufsbegleitenden Lehrgang mit fachtheoretischem und -praktischem Unterricht, ein strukturiertes Praktikum und eine Hausarbeit.

Die 120 Stunden setzen sich zusammen aus

  • 90 Stunden Unterricht 
  • 2x 8 Stunden Praktikum in einer onkologischen Einrichtung 
  • 8 Stunden Praktikum in einer ambulanten Hospiz- oder Palliativeinrichtung 
  • Hausarbeit in einem Umfang von 6 Stunden

Sinnvollerweise soll das Praktikum nicht in der Einrichtung stattfinden, in der du beschäftigt bist.

Die Hausarbeit basiert auf einer praxisbezogenen Aufgabenstellung. 

Fortbildungsinhalte

Theoretischer Pflichtunterricht(Zeitaufwand = 90 Stunden)
Modul 1: Kommunikation und Gesprächsführung(8 Stunden)
Modul 2: Wahrnehmung und Motivation(8 Stunden)
Modul 3: Allgemeine medizinische Grundlagen Onkologie und Palliativmedizin (5 Stunden)
Modul 4: Versorgung und Betreuung der Patienten(4 Stunden)
Modul 5: Psychosoziale Bewältigungsstrategien für Mitarbeiter/innen im Bereich der onkologischen und palliativmedizinischen Versorgung (10 Stunden)
Modul 6: Spezielle onkologische Grundlagen, Krankheitsbilder und Therapien(28 Stunden)
Modul 7: Dokumentation und rechtliche Grundlagen (5 Stunden)
Modul 8: Therapeutische und pflegerische Interventionen(13 Stunden)
Modul 9: Psychoonkologische Grundlagen / Rehabilitation (9 Stunden)

Wenn du im Anschluss eine zusätzliche Weiterbildung, z. B. zur Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung absolvieren möchtest, kannst du dir die Kompetenzen und Lerninhalte zu den Bereichen Kommunikation und Gesprächsführung sowie Wahrnehmung und Motivation (16 Stunden) innerhalb eines Zeitraumes von fünf Jahren anerkennen lassen.

Prüfung und Abschluss

Die Teilnahme an den Modulen ist durch eine Fortbildungsbescheinigung des Veranstalters nachzuweisen.

Die Fortbildung ist in einem Zeitraum von fünf Jahren zu absolvieren.

Zum 15-minütigen Kolloquium wird zugelassen, wer

  • mindestens 90% des Unterrichts besucht hat,
  • den Nachweis über das strukturierte Praktikum erbringt und
  • die Hausarbeit nachweist.

Mit erfolgreich abgeschlossener Weiterbildung erhältst du ein Zertifikat. Nach den Bestimmungen der Onkologie-Vereinbarung musst du an jährlich mindestens einer onkologischen Fortbildungsveranstaltung teilnehmen, die von der zuständigen Landesärztekammer anerkannt ist. Der Stundenumfang sollte mindestens 6 Stunden betragen.

MFA mal anders – Meinung

Wenn du dir unsicher bist, ob du mit der mentalen Belastung und Pflege von onkologischen Patienten zu Recht kommst, kann ich dir die Hausarbeit einer Frau empfehlen, die die Weiterbildung für die Pflege in der Onkologie bereits absolviert hat.

Vor ein paar Jahren habe ich das Buch von Miriam Pielhau, der ehemaligen taff-Moderatorin, die an Brustkrebs erkrankt war, gelesen. In Dr. Hoffnung – Die Geschichte eines echten Wunders* schildert sie den Kampf zweier Frauen gegen den Krebs. Ich fand es sehr bewegend und für Menschen, die in der Medizin oder Pflege arbeiten, absolut lesenswert. 

Fortbildungsanbieter

Omnicare (Online + mit einem Präsenzwochenende in Berlin)

Medac (Online + Präsenzveranstaltungen in verschiedenen Städten)

Nationale Gesundheits-Akademie (Online)

MedKom Akademie

Da die Fortbildung unter der Schirmherrschaft der KoK (Konferenz Onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpflege) läuft, kannst du dich für nähere Informationen auch an sie wenden.

Weiterführende Links

Sämtliche Informationen über die Fortbildung zur onkologischen Assistentin habe ich den folgenden Webseiten entnommen: