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MFA

Physician Assistant

Wenn du ein großes medizinisches Interesse hast und dir der direkte Patientenkontakt am Herzen liegt, ist vielleicht das Studium zum Physician Assistant das Richtige für dich.

Als Physician Assistant bist du das Bindeglied zwischen Pflegekräften und Ärzten. Du erhältst einen größeren Verantwortungsbereich und entlastest den Arzt in seinem Arbeitsalltag. Der Arzt delegiert Tätigkeiten an dich, die er sonst selbst durchführen würde. Darauf bereitet dich ein Studium vor. Du erlernst Kenntnisse, die auch im Medizinstudium vermittelt werden.

Physician Assistant ist ein relativ neuer Beruf in Deutschland. Übersetzen könnte man ihn mit Arztassistenz. In den USA und auch einigen anderen europäischen Ländern gibt es das Berufsbild schon lange. Im Jahr 2005 wurde der Studiengang auch in Deutschland eingeführt.

Auf einen Blick

VoraussetzungenNachweis über eine Hochschulzugangsberechtigung (z. B. Abitur, Fachabitur oder einen Berufsabschluss mit mindestens zweijähriger Berufstätigkeit in einem fachlich verwandten Bereich + Ablegen der Hochschulzugangsprüfung für beruflich Qualifizierte)

oder

Abgeschlossene Berufsausbildung mit einer entsprechenden Erlaubnis zur Berufsausübung in einem geregelten Gesundheitsberuf mit der Note 3,0 oder besser

Ggfls. bestehen der Äquivalenzprüfung
Dauer6 – 8 Semester (je nach Anbieter)
Kostenca. 445 Euro – 510 Euro monatlich (je nach Anbieter)
ArbeitsorteKrankenhäuser, Reha- und Kureinrichtungen, Tageskliniken, Medizinische Versorgungszentren, Ärztehäuser, ambulante OP-Zentren.
Berufliche ChancenMehr Verantwortung, besseres Gehalt

Die Aufgaben als Physician Assistant

Auf Anordnung des Arztes übernimmst du medizinische, organisatorische und administrative Tätigkeiten. Hört sich fast nach Medizinischer Fachangestellten an? Nicht ganz. Die Aufgaben eines Physician Assistant sind verantwortungsvoller und vielseitiger. Bei der Erledigung deiner Aufgaben bleibst du aus haftungsrechtlichen Überwachungs- und Sorgfaltspflichten immer dem Arzt unterstellt. 

Ein typischer Arbeitsalltag im Krankenhaus könnte z. B. so aussehen: Morgens nimmst du an der Visite teil und bist für die Dokumentation zuständig. Dabei werden Behandlungsfortschritte der Patienten kontrolliert und protokolliert. Nach ärztlicher Anweisung wechselst du Verbände, machst eine Lumbalpunktion und entfernst eine Drainage. Danach entlässt du einen Patienten. Der Entlassungsbrief muss geschrieben werden und du führst das Entlassungsgespräch mit dem Patienten und seinen Angehörigen. Später sichtest du die Laborergebnisse des Vormittags und hältst Rücksprache mit dem Stationsarzt über den weiteren Therapieverlauf. Dann muss noch die Verlegung eines Patienten organisiert werden. Klingt ganz spannend und abwechslungsreich, oder?

Aber es fallen noch weitere Aufgaben in den Bereich des Physician Assistant:

  • Anamnese
  • Diagnostik und Erstellen eines Behandlungsplans
  • Patientenberatung
  • Unterstützung bei komplexen Untersuchungen
  • Durchführung von medizinisch-technischen Tätigkeiten
  • Mitwirkung bei Eingriffen im OP oder der Wundversorgung
  • Blutabnahmen

Arbeitsorte

Du kannst sowohl in der stationären Versorgung als auch in ambulanten Einrichtungen arbeiten. Am häufigsten sind Physician Assistants wohl in Krankenhäusern und Kliniken zu finden. Aber auch Rettungsstellen, Medizinische Versorgungszentren, Ärztehäuser oder OP-Zentren können zu den Einsatzorten zählen.

Berufliche Chancen

Nach dem Studium kannst du dich in der Position zwischen Arzt und Pflegepersonal einordnen. Deine Kenntnisse werden im Studium neben der Medizin auch mit Inhalten aus dem Prozess- und Qualitätsmanagement erweitert. Das macht dich zu einer wertvollen Fachkraft, die sowohl in der stationären als auch in der ambulanten Versorgung eingesetzt werden kann.

Aufgrund des Ärztemangels gibt es außerdem viele unbesetzte Assistenzarztstellen. Deshalb setzen immer mehr Krankenhäuser auf den Physician Asstistant. Deine Chancen auf eine attraktive Stelle stehen also nicht schlecht. Bedenke dabei auch mögliche Arbeitgeber auf dem Land. Dort ist der Ärztemangel noch stärker zu spüren und es wird vermehrt auf den Physician Assistant gesetzt, um die Ärzte dort zu entlasten.

Was das Thema Gehalt angeht: im Vergleich zu deinem Gehalt als Medizinische Fachangestellte, wird es deutlich steigen. Natürlich ist die Höhe des Gehalts immer individuell und nach dem Arbeitgeber zu betrachten. Es lassen sich im Internet aber Gehälter von ca. 3.000 bis 3.800 Euro je nach Position und Unternehmensgröße für den Physician Assistant finden.

Voraussetzungen

Um Physician Assistant zu werden, musst du ein Studium belegen. Auch ohne Abitur kannst du als MFA den Studiengang belegen. Dazu benötigst du eine abgeschlossene dreijährige Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf und mindestens 2 – 3 Jahre Berufserfahrung. Auch, wenn manche Hochschulen in ihren Beschreibungen, die Medizinische Fachangestellte als zugelassenen Ausbildungsberuf nicht direkt aufführen, zählt der Beruf zu den Gesundheitsfachberufen. 

Studiumsablauf

Das Studium wird, je nach Anbieter, in unterschiedlichen Modellen angeboten. Berufsbegleitend, dual oder (selten) auch in Vollzeit.

Bei der dualen und berufsbegleitenden Form findet das Studium in Präsenzunterricht, Selbststudium und zusätzlichen Praxisphasen statt. So werden theoretische Inhalte mit der Praxis vernetzt. Bei den meisten Hochschulen sind mehrere Praxisphasen in kooperierenden Kliniken oder ambulanten Einrichtungen vorgesehen. Erfahrenes Fachpersonal und Ärzte leiten dich an und du lernst an praktischen Fällen dein theoretisches Wissen anzuwenden oder zu vertiefen.

Neben Klausuren fallen auch Hausarbeiten oder Projektarbeiten an, die du neben dem Job anfertigst. Bestimmt musst du auch mal ein Referat oder eine Präsentation halten. Das gehört zum Studentendasein eben auch dazu. Im letzten Semester widmest du dich dann deiner Bachelorarbeit.

Inhalte des Studiums

Studieninhalte
Anatomie
Innere Medizin, Allgemeine Chirurgie, Anästhesie, Notfallmedizin, Pharmakologie
OP-Lehre, Labor und Funktionsdiagnostik
Rechtliche Aspekte (Medizin-, Haftungs- und Strafrecht, Datenschutz)
Public Health
Qualitätsmanagement, Dokumentation
Vergütungssysteme im Gesundheitswesen
Wissenschaftliches Arbeiten

Wie bereits erwähnt, kommen noch die Inhalte durch die praktische Ausbildung in der Klinik dazu. 

Um einheitliche Qualitätskriterien für den Studiengang zu etablieren, hat die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung ein Curriculum mit den Studieninhalten herausgegeben. So soll unabhängig von der Hochschule eine gleichwertige Ausbildung gesichert werden. Beim Vergleich haben die Hochschulen in den Bundesländern teilweise unterschiedliche Zulassungsvoraussetzungen und Abläufe. Mehr Informationen über die genauen Studieninhalte findest du unten in den weiterführenden Links.

Kosten

Die Kosten für das Studium bewegen sich auf ca. 445 Euro – 570 Euro monatlich. Dazu kommen teilweise noch Anmeldungs- und Prüfungsgebühren (je nach Anbieter). Insgesamt kostet das Studium dann zwischen 18.000 und 20.000 Euro. Das ist natürlich happig. Falls dich das Studium wirklich interessiert, lass dich nicht direkt von der Summe abschrecken. Es gibt verschiedene Möglichkeiten für dich, dass Studium zu finanzieren.

Prüfung und Abschluss

Im letzten Semester schreibst du eine Bachelor-Arbeit. In der Regel musst du deine Ergebnisse anschließend noch mündlich „verteidigen“. Mit Bestehen der Bachelorarbeit schließt du das Studium mit dem akademischen Grad Bachelor of Science ab und darfst dich Physician Assistant nennen.

MFA mal anders – Meinung

Weiterbildung für Physician Assistant

Nach dem Bachelorstudiengang hast du die Möglichkeit den Mastertitel zu erlangen. Dafür wird ein vertiefendes Studium angehängt. Es dauert 5 Semester, also 2,5 Jahre. Im Masterstudium erhält man eine noch breitere Ausbildung in der Medizin. Das Studium zielt darauf ab, dass dir deine ärztlichen MentorInnen im Laufe des Studiums gewisse ärztliche Aufgabenbereiche entsprechend deinem wachsenden Kompetenzprofil übergeben können (gemäß Anlage 24 BMV-Ä §4). Aktuell solltest du jedoch wissen, dass hierbei sowohl Bachelor- als auch MasterabsolventInnen des Berufsbildes Physician Assistant den gleichen Tätigkeitsfeldern zugeordnet bleiben. Deshalb überlege dir gut, ob du die Zeit für einen Mastertitel investieren möchtest und was es dir wirklich bringt.

Um dein Wissen als PA zu vertiefen, gibt es mittlerweile auch viele Fortbildungsangebote für Physician Asstistants, z.B. Echokardiographiekurse, Sonographiekurse, etc. Je nachdem, welche Bereiche dich am meisten interessieren und wo du bei deiner Arbeitsstelle eingesetzt wirst, bringen dir solche Seminare wahrscheinlich mehr.

Möchtest du noch mehr Einblicke in den Beruf des Physician Assistant nehmen? Dann kann ich dir dieses kurze Video von doccheck.com empfehlen. Hier wurde eine Physician Assistant und ein Chirurg in ihrem Berufsalltag begleitet.

Wo du das Studium als Physician Assistant absolvieren kannst?

Medical School Berlin

EUFH (Präsenz- und Online-Lehre) (Rostock, Rheine, Berlin, Köln)

SRH – Hochschule für Gesundheit (Präsenzphasen am Campus Leverkusen)

Carl Remigius – Medical School (Frankfurt am Main, Hamburg und München)

HSD – Hochschule Döpfer (Köln, Regensburg)

Fliedner Fachhochschule (Düsseldorf)

DHGS Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (Berlin, Ismaning bei München, Unna)

ISBA (Heidelberg, Münster, München, Erfurt)

Technische Hochschule Deggendorf (Deggendorf)

Duale Hochschule Baden-Württemberg

Weiterführende Links

Das Curriculum der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sowie weitere Informationen zum Beruf, Studium oder Gehalt des Physician Assistant findest du hier: